Zeitgeist – Installation & Aktion auf der Zentraldeponie Emscherbruch 1991

Mit dem Projekt „Zeitgeist“ wagte Günter Dworak den Schritt aus dem geschützten Raum des Ateliers direkt in die raue Realität der Industrielandschaft. Die Installation und die damit verbundene Aktion auf der Zentraldeponie Emscherbruch markieren einen markanten Punkt in seinem Schaffen, an dem die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strömungen und der materiellen Hinterlassenschaft unserer Zivilisation physisch greifbar wurde.


An diesem ungewöhnlichen Ort – einem Mahnmal des Konsums und der Entsorgung – verschmolzen Kunstwerk und Umgebung zu einer temporären Einheit. Diese Seite dokumentiert die Entstehung, den Prozess und die tiefgreifende Symbolik dieser besonderen Aktion, die den „Zeitgeist“ nicht nur benannte, sondern ihn an den Rand der Gesellschaft – auf die Halde – trug.


08.11.1991


Die Installation "Zeitgeist" (oft auch im Zusammenhang mit dem Begriff „Zeitsignale“ oder „Wider den Zeitgeist“ genannt) ist ein markantes Beispiel für Günter Dworaks Auseinandersetzung mit der Industriekultur und dem Strukturwandel im Ruhrgebiet.




Zentraldeponie Emscherbruch


Die Aktion auf der Müllhalde (Zentraldeponie Emscherbruch, die im Grenzgebiet der Städte Herne, Herten und Gelsenkirchen liegt) war eine prozesshafte Kunstaktion. Er nutzte diesen Ort ganz bewusst:


Die Deponie diente als Metapher für das „Aussortieren“ und „Vergessen“ – sowohl von industrieller Geschichte als auch von menschlicher Arbeit.


Im Rahmen der Aktion wurden Objekte und Installationsteile platziert, die den Kontrast zwischen dem vermeintlich wertlosen Abfall und der wertvollen (aber vergehenden) Bergbaukultur verdeutlichten.


Es ging ihm darum, den „Zeitgeist“ zu hinterfragen, der die Traditionen und die Lebenswelt der Bergleute zunehmend an den Rand drängte oder buchstäblich „auf den Müll warf“.




Historische Einordnung


Seine Aktionen und Ausstellungen unter dem thematischen Dach von „Zeitgeist“ und „Zeitsignale“ konzentrierten sich primär auf die Mitte der 1980er Jahre, wobei das Thema sein Werk bis zu seinem Tod im Jahr 2000 begleitete.


Zeitliche Eckpunkte sind:


Die Kernphase (1984–1985)


  • 1984: In diesem Jahr entstanden die zentralen Installationen, die oft mit dem „Zeitgeist“-Thema verknüpft werden, darunter die Arbeiten zur Schachtanlage Hannibal und Graf Bismarck. Diese Werke markieren den Beginn seiner intensiven Phase der „Ikonographie des Bergbaus“.


  • 1985: Dies ist das Schlüsseljahr für die öffentliche Präsentation. Unter dem Titel „Zeitsignale – Hommage an den Bergmann – Ikonographien“ organisierte der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) eine bedeutende Ausstellung seiner Werke. In diesen Zeitraum fällt auch die konzeptionelle Verbindung zur Aktion auf der Deponie, da er zu dieser Zeit beim KVR im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig war und die Transformation der Landschaft (Deponien → Parks) unmittelbar begleitete.



Die Aktion auf der Deponie


Die spezifische Aktion auf der Zentraldeponie Emscherbruch fand ebenfalls in diesem Kontext der Mitte der 80er Jahre statt.


  • Zu dieser Zeit war die Deponie ein aktiver Ort des Strukturwandels.
  • Dworak nutzte die Jahre zwischen 1983 und 1988 besonders intensiv für „Aktionen vor Ort“, um die Verbindung zwischen der sterbenden Industrie (Schließung der Zechen) und der entstehenden neuen Landschaft (Müllberge/Deponien) künstlerisch zu dokumentieren.
  • Im November 1991 fand auf der Zentraldeponie Aktion statt.


Spätere Resonanz


  • 1988/1989: Teilnahme an der Gruppenausstellung „Schichtwechsel“, in der das Thema des vergehenden Zeitgeists des Bergbaus erneut zentral war.


  • 2001 (Posthum): Die große Retrospektive im Emschertal-Museum trug den bezeichnenden Titel „Wider den Zeitgeist und für die verkannten Helden der Geschichte“. Dies festigte die Bezeichnung „Zeitgeist“ endgültig als eines der wichtigsten Schlagworte für sein Lebenswerk.