Erinnerung an die Gegenwart
Günter Dworaks jüngste Arbeiten sind in einem Atelier entstanden, das in den übrig gelassenen Baulichkeiten einer ehemaligen Schachtanlage liegt, in „Unser Fritz‘“ 2/3 in Wanne-Eickel. Das mag auf den ersten Blick belanglos scheinen, wird doch nach allgemeinem Verständnis die Phantasie eines Künstlers nicht eben von den Räumen bestimmt, in denen er seinem Handwerk nachgeht. Bei Dworak hingegen ist die unmittelbare Arbeits-Umwelt, sind die Treppen und Gänge, die die Kumpel einst zur Anfahrt zu ihrer Arbeitsstätte nutzten, in vielfacher Hinsicht bestimmend für sein künstlerisches Schaffen.
Günter Dworak, der bereits in jungen Jahren Erfahrungen mit der sogenannten ‚„‚Kunst am Bau“ sammelte, hat sich in jüngerer Zeit verstärkt mit dem Problem der Raum-Kunst auseinandergesetzt, das heißt, konsequent den Weg vom bloßen plastischen Objekt zum gestalteten Raum erprobt. Was hier unter dem Titel „Zeitsignale“ zusammengefasst ist, zeigt verschiedene, stark kontrastierende Möglichkeiten des Environments, das vor allem aus einem szenischen Gestus lebt. So kommt es nicht von ungefähr, dass ein so düsteres Thema wie das Waldsterben durch Sauren Regen in der Form einer Guckkasten-Bühne abgehandelt wird, wobei die Versatzstücke — Kulissenbilder, Textfahnen, ein Kranz, Spiegelwände — und schließlich die Lichteffekte unmittelbar eine Theatersituation herstellen, Wohl kann man — im Gegensatz zum üblichen Bühnengeschehen — den Theaterraum umschreiten. Damit ist aber auch die Möglichkeit des Betrachters, aktiv zu werden, schon abgegrenzt. Die Künstlichkeit dieser Situation, der verordnete Zwang zur Passivität provoziert die Betroffenheit — die Bühne wird zum provokativen Gruselkabinett.
