Das Hauptportal von St. Marien:

Ein Meisterwerk sakraler Kunst (1964)


Die Marienkirche in Eickel besitzt mit ihrem Hauptportal ein herausragendes Zeugnis moderner sakraler Kunst, das sich harmonisch in die Architektur einfügt. Im Sommer 1964 erhielt die Kirche einen markanten Eingangsbogen aus insgesamt zehn bronzenen Relieftafeln, eingebettet in eine schützende Kupferverkleidung.



Für den Wanne-Eickeler Grafiker Günter Dworak – der sich zuvor in einem Wettbewerb gegen zahlreiche Mitbewerber durchgesetzt hatte – bedeutete dieses Werk den erfolgreichen und eindrucksvollen Beweis seiner bildhauerischen Begabung. In enger theologischer Abstimmung mit dem damaligen Pfarrer Wilhelm Tacke schuf er ein detailreiches Bildprogramm, das bewusste Bezüge zur Gestaltung des Kircheninnenraums aufweist.


Der Aufbau des Reliefbogens


Die Anordnung der Bronzetafeln folgt einer klaren inhaltlichen Struktur. Jeweils vier rechteckige Motivtafeln bilden die tragenden Säulen links und rechts des Eingangs, während zwei fast dreieckige Elemente den Bogen nach oben hin abschließen:


  • Die linke Säule (Altes Testament): Die polierten Motive auf dem rauen Bronzeguss zeigen die Schöpfungsgeschichte in symbolischer Form, die Darstellung der Danksagung sowie den Sündenfall und die anschließende Vertreibung aus dem Paradies.


  • Die rechte Säule (Neues Testament): Hier werden die biblischen Stationen von der Verkündigung über Maria, die der Schlange den Kopf zertritt, bis hin zur Erlösung und der Himmelfahrt Mariens erzählt.


  • Der obere Abschluss: Über den beiden Säulen thront als verbindendes Element das Symbol der Dreieinigkeit.


Pflanzliche Symbolik und tiefere Bedeutung

Ein zentrales Gestaltungselement Dworaks ist ein stilisiertes, aufwärtsstrebendes Pflanzengeflecht, in das fast alle Motive eingebettet sind. Diese organischen Formen symbolisieren die sich stetig erneuernde Natur und lassen die biblischen Szenen wie Durchblicke wirken. Durch die nahezu symmetrische Anordnung der Pflanzen auf beiden Seiten betonte der Künstler das bewahrende Prinzip der Natur, während die emporstrebenden Spitzen den Eindruck eines kontinuierlichen Weiterwachsens vermitteln.


Besonders tiefgründig zeigt sich dies bei zwei korrespondierenden Motiven:


  • Das Erlösungsmotiv: Der Gekreuzigte ist so in die pflanzliche Form eingearbeitet, dass das Gesamtbild an ein anatomisch präzises Herz erinnert, dessen Kammern durch das Kreuz angedeutet werden.


  • Das Danksagungsmotiv: Als direktes visuelles Gegenüber ist auch dieses Motiv von einer Herzform umrahmt, was die geistige und emotionale Verbindung zwischen dem Erlöser und der Gemeinde symbolisiert.


Das Portal als Grenze zwischen Gut und Böse


Auch für die funktionalen Türgriffe fand Günter Dworak eine künstlerisch anspruchsvolle Lösung: Er stellte einen guten und einen stürzenden Engel einander gegenüber.


Der Kontrast zwischen Gut und Böse wird hier haptisch und visuell erfahrbar: Auf der einen Seite dominieren weiche, harmonische Formen wie die weise Rundung des Schädels und die gütige Linie der Hände. Dem gegenüber stehen kantige, bedrohliche Strukturen – ein von Hass verzerrtes Antlitz, krallenartige Finger und ein mit Hörnern versehenes Haupt.


(Quellenhinweis für das Archiv: Die Details zur theologischen Symbolik und der Entstehung basieren auf einer Auswertung der zeitgenössischen Berichterstattung der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 24. Juni 1964).


Bilddokumentation und fotografische Rekonstruktion


Die nachfolgende Galerie präsentiert das Hauptportal von St. Marien in einer aktuellen, hochauflösenden Fotodokumentation. Die Aufnahmen zeigen die zehn Bronzereliefs sowie die kunstvollen Türgriffe in detailreichen Nahaufnahmen und fangen die faszinierende Oberflächenstruktur von Dworaks bildhauerischem Erstlingswerk ein.




Rückseite der Fotos: Die originale Handschrift von Günter Dworak.