Das Westportal von St. Marien:
Sechs Kapitel Eickeler Geschichte in Bronze
Pünktlich zum historischen Besuch von Kardinal Dr. Lorenz Jaeger im Jahre 1964 vollendete Günter Dworak die künstlerischen Arbeiten am Westportal der St.-Marien-Kirche zum Eickeler Markt hin. Das vollständig mit Kupfer verkleidete Seitenportal versah der Künstler mit sechs quadratischen Bronzereliefs, die eine faszinierende, symbolhafte Reise durch die Eickeler Kirchengeschichte erzählen.
In seiner charakteristischen Relieftechnik, die an ausdrucksstarke Holzschnitte erinnert, wählte Günter Dworak – Mitglied der bekannten Wanne-Eickeler Künstlervereinigung „Die Freien“ – für dieses Portal bewusst weichere Konturen. Zusammen mit der markanten Nagelung und dem warmen Kupferuntergrund entsteht ein eindrucksvoller gestalterischer Kontrast.
Die sechs historischen Stationen im Überblick:
- Tafel 1 (845–1400) | Die Missionierung: Darstellung der frühen christlichen Mission im Eickeler Raum, symbolisiert durch die Figuren des heiligen Ewald (690) und des heiligen Ludgerus (809).
- Tafel 2 (1400–1617) | Die erste Johanneskirche: Visualisierung des ersten urkundlich belegten Kirchenbaus, der 1617 im Zuge der Reformation protestantisch wurde.
- Tafel 3 (1617–1683) | Das Gut Nosthausen: Zeigt das Wappen und das geschichtsträchtige Haus Nosthausen, in dessen Kapelle die katholische Gemeinde nach 1617 ihre Gottesdienste feierte.
- Tafel 4 (1687–1881) | Die Notkirche St. Marien: Ein Denkmal für die historische Notkirche, die zeitweise von Katholiken und Protestanten gemeinsam als Gotteshaus genutzt wurde.
- Tafel 5 (1881–1945) | Zerstörung und Erinnerung: Darstellung der alten, von Dombaumeister Güldenpfennig errichteten Marienkirche, die im Zweiten Weltkrieg schweren Schaden nahm und ihren markanten Turm verlor.
- Tafel 6 (ab 1949/50 bis zur Einweihung 1964) | Neubeginn: Die Marienkirche in ihrer nach dem Krieg wiederaufgebauten Form, feierlich vollendet mit dem von Dworak gestalteten Portal im Jahr 1964.
Die Fertigstellung des Westportals (Juni 1964)
Ein historischer Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) aus dem Juni 1964 hält einen ganz besonderen Moment fest: Er dokumentiert die Fertigstellung des Westportals der Kirche St. Marien in Wanne-Eickel durch Günter Dworak.
Das dazugehörige Foto atmet den authentischen Geist der damaligen Zeit: Es zeigt den Künstler Günter Dworak, wie er – pragmatisch auf einem einfachen Holzstuhl stehend – die letzten Handgriffe an den frisch montierten Bronzetafeln vornimmt. Es galt, keine Zeit zu verlieren, denn für den anstehenden feierlichen Besuch von Dr. Lorenz Jaeger sollte alles perfekt vorbereitet sein. Ein interessantes historisches Detail am Rande: In zeitgenössischen Berichten wird Jaeger oft bereits als Kardinal tituliert – tatsächlich wurde der damalige Paderborner Erzbischof jedoch erst im Folgejahr, im Februar 1965, von Papst Paul VI. offiziell in das Kardinalskollegium aufgenommen.
Die von Dworak geschaffenen Bronzetafeln sind weit mehr als reiner Bauschmuck: Sie beschreiben in einer tiefgründigen, symbolhaften Bildsprache die bewegte Kirchengeschichte Eickels und fügen sich zu einem bleibenden Zeugnis lokaler Identität und sakraler Kunst im öffentlichen Raum zusammen.
Heutiger Zustand und veränderte Anordnung der Tafeln
Der aktuelle Zustand entspricht nicht mehr der ursprünglichen Anordnung von 1964. Im Zuge späterer Veränderungen wurde das damalige Gesamt-Ensemble aufgeteilt.
Von den ehemals sechs Bronzetafeln sind an den Außenportalen der Kirche heute noch drei Tafeln zu sehen, die auf drei verschiedene Türen verteilt wurden. Die drei übrigen Tafeln sind im Außenbereich nicht mehr vorhanden.
Die folgenden Aufnahmen dokumentieren die aktuelle Situation vor Ort:



