Das logistische Rätsel: Einbruch mit perfektem Timing!
Als Günter Dworak nach den Osterfeiertagen 1994 sein ausgeräumtes Atelier betrat, stieß er auf eine bewusste Provokation. Die Täter hatten bei dem Diebstahl an der Wand den Schriftzug „Danke“ hinterlassen. Es ist der dokumentierte Beweis für eine erschreckende Sicherheit: Die Täter wussten ganz genau, dass sie ungestört und unbeobachtet agieren konnten.
Der Raub wirft bis heute Fragen auf, die sich nicht einfach ausblenden lassen. Wenn man die schiere Masse der Beute und die enormen Abmessungen der Werke betrachtet, wird schnell klar: Das war kein spontaner Gelegenheitsdiebstahl oder das Werk von Amateuren. Es war eine gezielte, eiskalt durchgeplante Operation.
Die unumstößlichen Fakten der Tat sprechen eine eindeutige Sprache und deuten auf eine detaillierte Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort hin:
Der gezielte Zugriff:
Es wurden keine wahllosen Gegenstände eingepackt. Die Täter steuerten ohne Zögern das Atelier von Günter Dworak an. Sie kannten den genauen Lagerort und den besonderen Wert des Triptychons und des Abendmahls. Andere Bereiche blieben unberührt. Ein solch präzises Vorgehen setzt voraus, dass die Täter im Vorfeld exakt wussten, wo die Hauptwerke zu finden waren.
Das Nadelöhr des Transports:
Ein Monumentalwerk wie "Das Abendmahl" mit seinen Abmessungen von 2,00 × 3,00 Metern transportiert man nicht im Vorbeigehen. Es passt in keinen PKW. Um diese riesige Großplatte unbeschadet zu verladen und ein ganzes Atelier mit insgesamt 30 bis 40 weiteren Werken und Grafikmappen systematisch zu leeren, brauchte es ein großes Transportfahrzeug und logistische Planung.
Das Rätsel um das nötige Licht:
Ein Monumentalwerk von zwei mal drei Metern lässt sich nicht im Dunkeln oder im diffusen Schein einer Taschenlampe unbeschadet durch die Türen und Gänge des Gebäudes manövrieren. Die Täter benötigten volle Sicht. Ob die Tat im Schutz der Nacht bei voll erleuchtetem Atelier stattfand – oder gar am helllichten Tag, weil die Täter wussten, dass über die Osterfeiertage niemand das Gelände betreten würde: Sich dieser Entdeckungsgefahr so eiskalt auszusetzen, setzt eine absolute Planungssicherheit voraus. Wer konnte sich so sicher sein, nicht überrascht zu werden?

Die Tat mag juristisch verjährt sein – die logistischen Fragen bleiben bis heute ungelöst. Der hinterlassene Schriftzug an der Wand markiert das Ende einer Tat, die im Vorfeld präzise durchdacht worden sein muss. Unabhängig davon, wie diese Informationen damals zusammenkamen: Die Suche nach dem Verbleib der Kunstwerke geht weiter.
